Algeciras – Tarifa

Sufjan schläft noch, als wir aufstehen, er schläft auch noch, als ich vom Mercadona zurück komme, und als wir gefrühstückt haben – draußen vor dem Düdo auf dem Plastikteppich – schläft er immer noch. Als er aufwacht, bittet er um Seife, Wasser und Handtuch. Ich stelle ihm das Frühstück hin, Kaffee, Baguette, Butter, Käse, mache mir auch noch einen Kaffee und setze mich dazu. Ich versuche, über Zeichnungen mit ihm zu kommunizieren. Will wissen, wie er die Grenze nach Ceuta überwunden hat. Auch unter einem Caravan. Beim ersten Mal hat ihn die Polizei erwischt, beim zweiten Mal hat es geklappt. Wenn ich es richtig verstanden habe.

Volker nimmt ihn mit in den Mercadona, aufs Klo, und um Proviant zu kaufen. Wasser, Kekse, Zahnbürste, Zahnpasta. Ich packe die Sachen in die grüne Fred-Perry-Umhängetasche, wir sind eh aus dem Alter raus, außerdem ein Baguette mit Butter, zwei Äpfel, einen Pfirsich, Seife, ein Handtuch, die Bürste, nach der er gestern gleich gefragt hatte, um sich zu frisieren, und die fleischfarbene Decke. So ausgerüstet, plus zehn Euro und einem Busticket nach Madrid, werden wir das Kind am Busbahnhof absetzen.

Ich bewege mich unsicher durch Algeciras, wie anfangs in Marokko. Alle sind so schnell unterwegs und wirken beschäftigt. Spanier. Würden die mir auch helfen, wenn ich ein Problem hätte? In Marokko konnte ich mich immer darauf verlassen, dass sofort vielfache Hilfe am Start wäre. Wen könnte ich hier nach einem Geldautomat fragen? Als ich eine Frau mit Kopftuch sehe, habe ich gleich den Impuls, sie anzusprechen. Ich zügele den Impuls und frage stattdessen einen Lotto-Verkäufer am Straßenrand.

Volker hat mit den Kindern gezeichnet, so haben wir als Erinnerung an Sufjan ein dickes, achtbeiniges Wesen, Kuli auf Papier, das Katharina darstellen soll. Er folgt mir aus dem Düdo, ohne sich von den anderen zu verabschieden. Bleibt auf dem Weg zum Busbahnhof immer einen halben Schritt hinter mir. Ich setze mich mit ihm auf eine Bank an der richtigen Haltebucht, der Bus fährt erst abends los und wird morgen früh in Madrid sein. Wir haben ihm das mithilfe von Tonis Spieluhr versucht zu erklären. Ich zeige ihm noch mal das Ticket, die Uhrzeit, die Nummer der Haltebucht. Den Zettel mit unserer Telefonnummer. Dann lege ich meine Schläfe kurz an seine, wie ich es bei den Marokkanern beobachtet habe, sage „bon chance“ und gehe. Das letzte, was ich sehe, als ich mich noch einmal umdrehe: Sufjan, in seiner blauen Trainingsjacke, neben sich meine Fred-Perry-Tasche, hebt seinen Arm zum Gruß.

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