Aljezur – Odeceixe

Ich mache gleich nach dem Aufstehen einen Erkundungsgang in die Markthalle von Aljezur, hinter der wir über Nacht geparkt haben. Am Flussufer wächst hohes Schilf, Frösche quaken, Gänse watscheln die Böschung hinab. Hoch überm Fluss thront eine Festung. Die Markthalle entpuppt sich als Touri-Attraktion mit nur zwei riesigen Ständen, adrettes Obst und Gemüse zu horrenden Preisen. Hatte mir etwas Anderes vorgestellt. Eine der Verkäuferinnen spricht mich gleich an, erst auf englisch, dann auf deutsch. Sie ist Holländerin und ich darf alles probieren. Aha, hier verkaufen Ausländer an Ausländer. Ich fliehe zum Nachbarstand, kaufe bei der dortigen Portugiesin – immerhin das – zwei Äpfel und ein paar Orangen. Nach dem Frühstück ein zweiter Versuch mit Toni, bei der Holländerin sieben Erdbeeren für zwei Euro vierzig. Außerdem ein Kilo Fisch in der Fischabteilung. Erst jetzt wird mir klar, wie billig der Fisch in Marokko wirklich war.

Volker ist fertig mit dem Setzen, will gerade alles an die Verlagsfrau schicken, doch die kommt ihm zuvor, schickt noch fehlende Dateien, also ist seine Version schon nicht mehr auf dem neuesten Stand, also nochmal ein paar Stunden Arbeit, bevor erstmal Pause ist.

Wir finden den Brunnen nicht, über dessen Position widersprüchliche Aussagen kursieren. Ein befragter Portugiese, der gerade in voller Montur seine Hecke schneidet, führt Volker kurzerhand zu seinem Gartenschlauch, lässt ihn dort den Demonstrations-Kanister füllen. Aber wir haben ja zwölf davon, und wir sprechen kein Portugiesisch.

Wiedersehen mit Nele; Kai und Sati dort wo wir übernachtet haben, hinter der Markthalle. Sie haben dort einen Großeinkauf gemacht, von der netten Holländerin Brokkoli geschenkt bekommen. Kurios, als wären sie woanders gewesen als ich vor zwei Stunden. Wir beschließen, den letzten gemeinsamen Tag in Odeceixe zu verbringen, ich freue mich, da wollte ich eh irgendwann hin. Sati schnappt sich ihre Filly-Pferd-Sitzerhöhung und fährt bei uns mit. Die Kinder teilen die Erdbeeren unter sich auf, zum Glück ist sieben nicht durch drei teilbar, so kriege ich auch eine ab. Meinem Futterneid müsste ich auch mal auf den Grund gehen.

Zum ersten Mal seit Wochen fahren wir eine Strecke, die wir noch nicht kennen, und die wir aller Voraussicht nach nicht wieder zurück fahren werden. Wir verlassen quasi den Zipfel. Bin begeistert.

Am Fuße eines tiefgrün bewaldeten Hügels fließt der Fluss gen Meer, breit, flach und türkis. Aber das stimmt gar nicht. Der Fluss fließt gerade in Richtung Quelle, denn die Flut drückt Salzwasser ins Landesinnere. Die Kinder entdecken ein kaputtes Planschbecken im Schilf, zum Glück gleichzeitig, so gehört es allen. Dass es kaputt ist, vermuten natürlich nur wir Erwachsenen. Zu unrecht: Der Boden ist intakt, eine der drei Wandwürste hält auch die Luft. Man kann also etwas Wasser einfüllen, das sich in der Sonne erwärmt. Jaccuzzi.

Peppi will sich abtrocknen, aber ich habe kein Handtuch dabei. „Vielleicht die Nele“, sagt Peppi, und findet in deren großer Rossmann-Umhängetasche tatsächlich eins. Wir sind in den drei Wochen gemeinsamen Strandlebens schon ziemlich vertraut geworden. (Jetzt, am letzten Tag, nimmt Volker, erklärter THC-Verächter, sogar einen Zug vom Joint der beiden und legt sich danach erstmal eine Runde in den Düdo.) Peppi spielt im Sand mit dem Playmobil-Wohnmobil von Sati, hält inne und sagt: „Kai?“. Kai antwortet: „Peppi?“. Peppi seufzt selig und spielt weiter.

Am Ende des Tages, die Kinder toben im Dunkeln um die letzte Glut in der Feuerschale, auf der wir den Fisch gegrillt haben, verliert Sati ihren ersten Wackelzahn. Wir sind alle aus dem Häuschen, bestaunen Zahn und Zahnlücke. Was für ein feierlicher Abschluss der gemeinsamen Zeit.

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