zwischen Plasencia und Carcaboso – Palenzuela

Wir sind so nahe am Embalse de Valdeobispo, dass wir die Regel brechen und ohne Frühstück losfahren. Am Wegesrand ein riesiger abgestorbener Baum voller Storchennester. An jeder Astgabel hat eine Familie Quartier bezogen. Will auf dem Rückweg ein Foto machen. Weiß noch nicht, dass es keinen Rückweg geben wird. Der auf Google Earth angezeigte Weg zum Wasser entpuppt sich als Privatweg, Einfahrt verboten. Also weiter, über die Staumauer, dann rechts die Straße am See entlang. Wir sehen Kühe am Strand stehen, wir hingegen kommen nicht hin. Weideland, umzäunt, keine Pisten zum Wasser. Die Kinder auf meinem Schoß haben Hunger. Ich auch. Wir knabbern Äpfel. Wir wollen zum nächsten Embalse, gleich hinter diesem, zum Embalse de Gabriel y Galàn. Der Weg zieht sich. Wird es bei dort überhaupt besser sein? Wir kommen durch ein Örtchen, die Kinder krächzen: „Spielplatz! Spielplatz!“ Warum eigentlich nicht, lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Wir wenden und halten im Schatten des Parkes mit Schaukel, Rutsche und Kletterschloss. Außer uns ist kaum jemand da, die Spanier schlafen wohl noch. Oder haben sich schon in ihre kühlen Häuser verkrochen. Sonntagvormittag. Ein Pferd trabt hinter einem Pick-Up her, an dem ist es festgebunden.

Volker ist müde, ich darf fahren. Das hatten wir auf der Karte mal wieder nicht gesehen, dass die Autovia durchs Gebirge führt. Der Düdo kriecht Kilometer um Kilometer die Berge herauf, laut Verkehrsschild fünf Prozent Steigung. Immer wenn wir langsamer als fünfzig fahren, schalte ich die Warnblinkanlage an, habe ich mir von den Brummis abgeschaut. Ein Tiertransport mit Schweinen hinter Gitterstäben überholt uns. Steinbrüche mit riesigen Blöcken aus Marmor oder Granit. Die Berge sehen nicht besonders hoch aus, aber auf den Hängen liegt Schnee.

Dieser Embalse ist ein Volltreffer. Wir finden auf Anhieb einen Strand aus kurzem Gräsergestrüpp und Marmorgeröll, jeder Stein hier ist ein Glitzerstein. Es geht flach ins kristallklare Wasser. Kein Mensch hier außer uns, dabei ist Sonntag. Verbringen quasi den kompletten Nachmittag im Wasser. Wir spielen, dass Toni ein Delfinmädchen ist, das wir uns dafür angeschafft haben, Peppi aus dem Wasser zu retten. Die Kinder kommen irgendwann bibbernd raus, wollen abgetrocknet und angezogen werden. Es bläst ein warmer Wind, der uns sofort trocken fönt. Nach ein paar Minuten reißen sich die Kinder die T-Shirts wieder vom Leib und stürzen ins Wasser.

Einer jener herrlichen Hochsommertage, an denen es selbst abends nicht abkühlt. Auch nach acht Uhr brennt die Sonne noch so heiß, dass die Kinder baden. Volker wäscht dem Düdo Salz und Staub von der Karosserie. Kriecht mit Jogginghose auf dem Dach herum, mit nackten Beinen wäre der Stahl viel zu heiß. Die Jogginghose ist triefnass, er behält sie an, wenn er in den See stapft, um neues Wasser zu holen. Abendessen: Armer Ritter mit, bzw. im Tzatziki.

Wir kommen erst um halb zehn los, weder Toni noch Peppi schlafen ein, wieder mal stehen wir vor dem Rätsel kindlichen Schlafverhaltens. Nach dem ganzen Planschen müssten sie doch todmüde sein.

Zurück